Kenntnisprüfung: 20 Fragen mit Zeitlimit
Zwanzig Fragen aus den Fächern der Prüfung, mit einem Zeitlimit zum Üben. Am Ende sehen Sie die Punktzahl und die Begründung zu jeder Antwort.
Die Kenntnisprüfung wird mündlich-praktisch geprüft, nicht mit Multiple-Choice-Fragen. Diese Simulation rechnet mit 90 Sekunden pro Frage.
Die 20 Fragen dieses Tests mit den Lösungen
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Eine 24-jährige Frau nimmt nach einer Kondompanne Ulipristalacetat (EllaOne) zur Notfallkontrazeption ein.
Was muss sie bezüglich ihrer normalen Pille beachten?
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Lösung: A. 5 Tage mit der Pille pausieren und bis zur nächsten Blutung zusätzlich mit Kondom verhüten
Begründung: Ulipristalacetat (EllaOne) ist ein selektiver Progesteronrezeptor-Modulator. Da reguläre hormonelle Kontrazeptiva Gestagene enthalten, können sie sich gegenseitig am Rezeptor kompetitiv hemmen. Daher muss die Pille zwar fortgeführt werden, jedoch sind für 5 Tage zusätzliche Barrieremethoden erforderlich.
- B. Absetzen der Pille führt zu Entzugsblutungen und zusätzlicher Zyklusinstabilität.
- C. Es besteht ohne Kondome das Risiko einer Wirkungsminderung der regulären Pille.
- D. Eine doppelte Dosis erhöht nur Nebenwirkungen, hebt die Rezeptorkonkurrenz aber nicht auf.
Quellen: Fachinformation EllaOne; S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung
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7 Monate alter Säugling mit viraler Bronchiolitis, SatO2 95 % in der Raumluft, konservierte Ernährung.
Welches Management ist am besten geeignet?
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Lösung: B. Beobachtung, ausreichende Flüssigkeit und Entlassung mit klaren Warnzeichen bei weiter stabilem Verlauf
Begründung: Bei stabiler Sättigung und ausreichender Trinkmenge ist eine supportive Behandlung mit klinischer Verlaufskontrolle angemessen. Bei Entlassung müssen Eltern über Warnzeichen wie zunehmende Atemarbeit, Apnoen und deutlich verminderte Trinkmenge informiert werden. Antibiotika und Kortikosteroide sind ohne zusätzliche Indikation nicht empfohlen.
- A. Eine stabile virale Bronchiolitis erfordert kein empirisches Antibiotikum; es wäre ohne bakterielle Hinweise eine unnötige Behandlung.
- C. Routinemäßige intravenöse Kortikosteroide zeigen bei der Bronchiolitis keinen belegten Nutzen.
- D. Ohne Hinweise zu Atemnot, Trinkmenge und möglicher Verschlechterung können Eltern eine notwendige erneute Vorstellung verpassen.
Quellen: Standardpraxis
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Ein 74-jähriger Patient mit einer bekannten Lewy-Körper-Demenz (LBD) wird wegen akuter optischer Halluzinationen und psychotischer Unruhe in der Notaufnahme vorgestellt. Die Angehörigen berichten, dass er lebhafte Gestalten im Zimmer sehe, die ihn jedoch nicht bedrohen.
Welche pharmakologische Besonderheit muss bei der Behandlung der psychotischen Symptome dieses Patienten zwingend beachtet werden?
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Lösung: A. Ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Dopamin blockierenden Antipsychotika
Begründung: Menschen mit Lewy-Körper-Demenz können besonders empfindlich auf Dopamin blockierende Antipsychotika reagieren. Vor einer medikamentösen Behandlung werden Auslöser, Belastung und Gefährdung geprüft; nicht bedrohliche Halluzinationen erfordern nicht automatisch ein Antipsychotikum. Wenn eine Behandlung unvermeidbar ist, kommen nur sorgfältig ausgewählte und niedrig dosierte Optionen unter engmaschiger Kontrolle infrage.
- B. Donepezil kann kognitive und neuropsychiatrische Symptome unterstützen; die Dosis wird nach Verträglichkeit beurteilt, nicht pauschal wegen Halluzinationen abgesetzt.
- C. Eine Lewy-Körper-Demenz begründet keine generelle Kontraindikation für Antidepressiva; die Wahl richtet sich nach Symptomen, Begleiterkrankungen und Interaktionen.
- D. Haloperidol kann bei Lewy-Körper-Demenz schwere motorische und vegetative Reaktionen auslösen und ist keine geeignete routinemäßige Akutmaßnahme.
Quellen: S3-Leitlinie Demenzen
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Ein 40-jähriger Mann stellt sich mit akuten, krampfartigen rechten Flankenschmerzen, hohem Fieber (39,2°C), Schüttelfrost und eitrigem Urin vor. Die Sonografie zeigt ein gestautes Nierenbecken rechts durch einen Ureterstein.
Was ist die Diagnose und welche Therapie ist indiziert?
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Lösung: A. Obstruktive Pyelonephritis; sofortige Harnableitung (DJ-Schiene oder Nephrostomie) und Antibiose
Begründung: Die akute obstruktive Pyelonephritis (infizierte Hydronephrose) ist ein lebensbedrohlicher urologischer Notfall mit rascher Progression zur Urosepsis. Die Behandlung erfordert neben einer parenteralen Breitbandantibiose die sofortige entlastende Harnableitung mittels Double-J-Katheter oder perkutaner Nephrostomie.
- B. Falsch. Fieber und Schüttelfrost kennzeichnen eine infektiöse Komplikation, bei der Analgetika allein völlig unzureichend sind.
- C. Falsch. Eine isolierte Zystitis verläuft ohne Flankenstauung, Nierenkolik und hohe septische Temperaturen.
- D. Falsch. Eine akute Prostatitis zeigt Miktionsbeschwerden und perinealen Druckschmerz, erklärt aber keine sonografische Hydronephrose.
Quellen: S3-Leitlinie Urolithiasis; Duale Reihe Urologie
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Eine 22-jährige Frau stellt sich in der 8. Schwangerschaftswoche (nach Konzeption) beim Frauenarzt vor und äußert den Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch aus persönlichen Gründen. Es liegen keine medizinischen oder kriminologischen Indikationen vor.
Unter welchen Voraussetzungen bleibt der Schwangerschaftsabbruch gemäß der deutschen Beratungsregelung straffrei?
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Lösung: B. Beratung in einer anerkannten Beratungsstelle mit Bescheinigung, mindestens 3 Tage Wartezeit und Abbruch durch einen Arzt vor Ablauf der 12. Woche nach Empfängnis (§ 218a StGB)
Begründung: Nach § 218a Abs. 1 StGB ist ein Schwangerschaftsabbruch nicht strafbar (wenn auch rechtswidrig), wenn: 1. die Schwangere den Abbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung nachgewiesen hat, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff bei einer anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle hat beraten lassen, 2. der Abbruch von einem Arzt vorgenommen wird, der nicht die Beratung durchgeführt hat, und 3. seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind (entspricht der 14. Schwangerschaftswoche nach der letzten Menstruation).
- A. Nach § 218a Abs. 1 StGB bleibt ein Abbruch straffrei, wenn er binnen 12 Wochen nach Empfängnis, nach Beratung und 3-tägiger Bedenkzeit erfolgt.
- C. Ein Schwangerschaftsabbruch ohne die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung ist nach § 218a Abs. 1 StGB rechtswidrig.
- D. Ärzte dürfen den Schwangerschaftsabbruch nicht ohne Vorlage der Beratungsbescheinigung nach § 219 StGB straffrei durchführen.
Quellen: § 218 StGB; § 218a StGB (Beratungsregelung)
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Ein 28-jähriger Patient mit einer schizophrenen Psychose entwickelt unter einer neu angesetzten Therapie mit Haloperidol hohes Fieber (39,8 °C), ausgeprägten Muskelrigor ('Zahnradphänomen'), Tachykardie, Blutdruckschwankungen und Somnolenz. Im Labor zeigt sich eine CK von 18.000 U/l sowie eine Leukozytose.
Welches potenziell tödliche Krankheitsbild liegt vor und welche therapeutischen Sofortmaßnahmen sind indiziert?
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Lösung: D. Malignes Neuroleptisches Syndrom; Antipsychotikum absetzen, intensivmedizinisch supportiv behandeln und spezifische Medikamente fallbezogen erwägen
Begründung: Fieber, ausgeprägter Rigor, autonome Instabilität und stark erhöhte CK nach Beginn von Haloperidol sprechen für ein Malignes Neuroleptisches Syndrom. Das Antipsychotikum wird sofort abgesetzt; erforderlich sind engmaschige Überwachung, Kühlung, Flüssigkeits- und gegebenenfalls intensivmedizinische Behandlung. Bromocriptin oder Dantrolen können bei schweren Verläufen nach fachärztlicher Beurteilung erwogen werden.
- A. Serotonerge Exposition mit Klonus und Hyperreflexie spräche für ein Serotonin-Syndrom; hier sprechen Haloperidol, Rigor und CK-Anstieg für MNS.
- B. Eine akute Dystonie verursacht fokale Muskelkrämpfe, aber nicht typischerweise Hyperthermie, CK-Anstieg und autonome Instabilität.
- C. Eine Sepsis muss differenzialdiagnostisch geprüft werden, doch das typische zeitliche Muster und der Rigor unter Haloperidol verlangen zusätzlich das sofortige Absetzen des Auslösers.
Quellen: S3-Leitlinie Schizophrenie; Notfallmedizinische Leitlinien
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Eine 45-jährige Frau klagt über Juckreiz und Müdigkeit. Die AP und gGT sind stark erhöht. AMA (Antimitochondriale Antikörper) sind positiv.
Welche Diagnose ist gesichert?
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Lösung: A. Primär biliäre Cholangitis (PBC)
Begründung: Die PBC ist eine Autoimmunerkrankung der kleinen Gallengänge. >90% der Patienten sind AMA-positiv. Therapie: Ursodeoxycholsäure (UDCA).
- B. Assoziiert mit Colitis ulcerosa, Männer häufiger, pANCA.
- C. ANA, SMA positiv, Transaminasen im Vordergrund.
- D. Keine AMA.
Quellen: S2k-Leitlinie Autoimmune Lebererkrankungen
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Ein 30-jähriger Mann mit tiefer, verschmutzter Schnittwunde. Letzte Tetanus-Impfung vor 4 Jahren.
Wie ist das Vorgehen bezüglich Tetanus?
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Lösung: B. Keine Auffrischimpfung, weil die letzte Dosis weniger als fünf Jahre zurückliegt
Begründung: Bei einer kontaminierten Wunde richtet sich die Tetanusprophylaxe nach der Zahl der bisherigen Dosen und dem Abstand zur letzten Impfung. Bei mindestens drei dokumentierten Dosen wird ab fünf Jahren nach der letzten Dosis aktiv aufgefrischt; Tetanus-Immunglobulin ist bei fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung relevant. Bei dieser Person liegt die letzte Impfung erst vier Jahre zurück.
- A. Bei einer kontaminierten Wunde ist bei vollständiger Grundimmunisierung eine Auffrischimpfung erforderlich, wenn die letzte Dosis mindestens fünf Jahre zurückliegt.
- C. Immunglobulin wird bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz erwogen und ersetzt bei vollständig Geimpften keine erforderliche Auffrischimpfung.
- D. Eine Simultanprophylaxe ist bei vollständiger Grundimmunisierung und einer erst vier Jahre zurückliegenden Dosis nicht angezeigt.
Quellen: RKI STIKO Tetanus
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Ein 58-jähriger Patient berichtet über rezidivierendes Sodbrennen und saures Aufstoßen, besonders im Liegen nach fettreichen Mahlzeiten. Die Endoskopie zeigt eine erosive Ösophagitis Los-Angeles-Grad B.
Welche Behandlung ist initial am besten geeignet?
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Lösung: A. Protonenpumpenhemmer in Standarddosis für etwa 4 bis 8 Wochen.
Begründung: Eine erosive Refluxösophagitis wird initial mit einem Protonenpumpenhemmer in Standarddosis behandelt, üblicherweise über etwa 4 bis 8 Wochen. Bei anhaltenden Beschwerden werden Einnahmezeitpunkt, Adhärenz und Diagnose überprüft, bevor eine Dosissteigerung oder weitere Diagnostik erwogen wird. Antazida können Symptome kurzfristig lindern, heilen eine erosive Ösophagitis aber nicht zuverlässig ab.
- B. Eine Operation kommt bei ausgewählten Patienten nach Abklärung und nicht routinemäßig als erste Maßnahme infrage.
- C. Antazida können Beschwerden kurzfristig lindern, sind bei erosiver Ösophagitis aber keine verlässliche Abheilungstherapie.
- D. Eine Eradikation behandelt eine nachgewiesene H.-pylori-Infektion, nicht die erosive Refluxösophagitis.
Quellen: Endocrine Society Guidelines
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Eine 58-jährige postmenopausale Patientin mit einem hormonrezeptor-positiven (ER+, PR+), HER2-negativen Mammakarzinom hat eine brusterhaltende Operation mit Sentinel-Lymphknotenbiopsie erhalten. Es soll nun eine adjuvante endokrine Therapie eingeleitet werden.
Welche Substanzklasse wird gemäß S3-Leitlinie als Standardtherapie bei postmenopausalen Frauen empfohlen?
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Lösung: B. Ein Aromatasehemmer der 3. Generation (z. B. Anastrozol oder Letrozol)
Begründung: Bei postmenopausalen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs hemmen Aromataseinhibitoren (AI) die periphere Östrogensynthese im Fettgewebe und in der Nebenniere (durch Blockade des Enzyms Aromatase). Sie reduzieren das Rezidivrisiko im Vergleich zu Tamoxifen postmenopausal deutlicher. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 5 Jahre (ggf. verlängert bei hohem Risiko). Wichtige Nebenwirkungen sind Gelenkbeschwerden (Arthralgien) und Osteoporose, weshalb vor Therapiebeginn eine Osteodensitometrie (DXA) empfohlen wird.
- A. Tamoxifen ist der Standard bei prämenopausalen Frauen. Postmenopausal sind Aromataseinhibitoren überlegen.
- C. Postmenopausal nicht sinnvoll, da die Ovarien bereits inaktiv sind.
- D. Kontraindiziert bei HER2-negativen Tumoren.
Quellen: S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms
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Eine 67-jährige Patientin leidet unter einer schweren depressiven Episode. Sie beklagt stärkste Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie einen ausgeprägten Appetitverlust mit einem Gewichtsverlust von 6 kg in den letzten 4 Wochen. Sie wünscht eine medikamentöse Therapie.
Welches Antidepressivum ist aufgrund seines pharmakologischen Profils bei dieser Patientin besonders geeignet?
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Lösung: B. Mirtazapin
Begründung: Mirtazapin kann bei Depression mit ausgeprägter Schlaflosigkeit und Appetitverlust wegen seiner häufig sedierenden und appetitsteigernden Wirkung erwogen werden. Diese Eigenschaften sind mögliche Vorteile, aber auch Nebenwirkungen, insbesondere bei ohnehin erhöhtem Gewicht oder Tagesschläfrigkeit. Die Auswahl eines Antidepressivums richtet sich nach dem gesamten klinischen Profil und den Präferenzen der Patientin.
- A. Fluoxetin wirkt antriebssteigernd und anorektisch (appetitmindernd), was die Schlafstörungen und den Gewichtsverlust weiter verschärfen würde.
- C. Venlafaxin kann Übelkeit und Schlafstörungen verursachen; es ist nicht für Appetitsteigerung oder Sedierung bekannt.
- D. Reboxetin wirkt noradrenerg und kann aktivierend sein; es ist keine bevorzugte Wahl bei ausgeprägter Schlaflosigkeit und Gewichtsverlust.
Quellen: S3-Leitlinie Unipolare Depression
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Eine 34-jährige Erstgebärende in der 36+2 SSW wird wegen heftiger Kopfschmerzen, Augenflimmern und Übelkeit in den Kreißsaal eingewiesen. Blutdruck: 165/105 mmHg, Proteinurie im 24h-Sammelurin: 3,5 g. Die Muskeleigenreflexe sind gesteigert, ein persistierender Fußklonus ist auslösbar. Unter der Untersuchung erleidet die Patientin einen tonisch-klonischen Krampfanfall.
Welches Medikament ist das Mittel der ersten Wahl zur Akuttherapie und Rezidivprophylaxe dieses eklamptischen Krampfanfalls, und welches Antidot muss bei einer Überdosierung am Bett der Patientin bereitgehalten werden?
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Lösung: D. Magnesiumsulfat (MgSO4) intravenös; Antidot: Calciumgluconat
Begründung: Bei einem eklamptischen Krampfanfall ist Magnesiumsulfat (MgSO4) das Mittel der ersten Wahl zur Anfallsdurchbrechung und zur Rezidivprophylaxe (Dosierung: 4 g i.v. als Kurzinfusion, gefolgt von einer Erhaltungsdosis von 1 bis 2 g/h i.v.). Es stabilisiert die Zellmembranen im ZNS und senkt das Risiko für weitere Krampfanfälle im Vergleich zu Diazepam oder Phenytoin signifikant. Da Magnesium renal eliminiert wird, muss engmaschig auf Intoxikationszeichen geachtet werden: Ausfall des Patellarsehnenreflexes (PSR), Atemfrequenz < 12/min, Oligurie. Bei Überdosierung muss unverzüglich 10 %iges Calciumgluconat i.v. verabreicht werden.
- A. Falsch. Diazepam kann bei eklamptischen Anfällen eingesetzt werden, wenn MgSO4 kontraindiziert oder nicht wirksam ist, ist aber aufgrund höherer Rezidivraten und neonataler Atemdepression nicht die erste Wahl.
- B. Falsch. Phenytoin ist in dieser Indikation Magnesiumsulfat klinisch unterlegen und Acetylcystein ist kein Antidot für Phenytoin.
- C. Falsch. Valproat ist in der Schwangerschaft hochgradig teratogen und im eklamptischen Anfall nicht das Mittel der ersten Wahl.
Quellen: S2k-Leitlinie Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Diagnostik und Therapie; DGGG, OEGGG, SGGG-Empfehlungen zur Eklampsietherapie
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Ein 3-jähriges Mädchen krampft im Rettungswagen seit über 5 Minuten generalisiert tonisch-klonisch, ohne zwischenzeitliches Erwachen. Die Eltern berichten von Fieber seit dem Vortag.
Erstbehandlung durch Notarzt/Rettungsdienst?
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Lösung: D. Benzodiazepin, zum Beispiel Midazolam bukkal
Begründung: Ein generalisierter Krampfanfall, der länger als fünf Minuten anhält, soll unverzüglich mit einem Benzodiazepin behandelt werden, zum Beispiel mit Midazolam bukkal, intranasal oder intramuskulär oder Diazepam rektal. Bei fortbestehendem Anfall folgen weitere Schritte nach dem Status-epilepticus-Algorithmus. Paracetamol senkt Fieber, unterbricht aber den Anfall nicht.
- A. Phenobarbital ist keine übliche erste präklinische Maßnahme; zunächst wird ein anhaltender Anfall mit einem Benzodiazepin unterbrochen.
- B. Paracetamol senkt Fieber und lindert Beschwerden, beendet jedoch keine anhaltende Krampfaktivität.
- C. Propofol kommt bei therapierefraktärem Status unter intensivmedizinischen Bedingungen und gesichertem Atemweg infrage, nicht als erste präklinische Gabe.
Quellen: Standardpraxis
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Eine 34-jährige Patientin stellt sich sechs Monate nach einem schweren Verkehrsunfall vor. Sie leidet unter aufdrängenden Erinnerungen, Albträumen und starker Übererregung mit Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen. Sie vermeidet es, selbst Auto zu fahren.
Welche Therapiemaßnahme ist bei dieser Patientin zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) primär indiziert und welches Medikament sollte vermieden werden?
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Lösung: D. Traumafokussierte Psychotherapie wie TF-KVT oder EMDR; Benzodiazepine sollen bei PTBS vermieden werden
Begründung: Bei PTBS werden traumafokussierte Psychotherapien wie TF-KVT oder EMDR bevorzugt angeboten. Benzodiazepine sind keine geeignete Behandlung der PTBS und sollen vermieden werden. Bei der Auswahl des Verfahrens werden Beschwerden, Stabilität, Präferenzen und mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigt.
- A. Quetiapin als Monotherapie ohne Psychotherapie ist bei unkomplizierter PTBS nicht leitliniengerecht.
- B. Klassische Psychoanalyse ohne vorherige Stabilisierung birgt Überflutungsrisiken; Diazepam hemmt das Extinktionslernen und führt zur Sucht.
- C. Medikamente sind bei PTBS nicht die bevorzugte alleinige Erstbehandlung; Benzodiazepine sollen wegen ungünstiger Nutzen-Risiko-Bilanz vermieden werden.
Quellen: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung
15 / 20
Ein 52-jähriger Patient klagt nach heftigen Rückenschmerzen plötzlich über beidseitige Taubheitsgefühle am Gesäß und im Genitalbereich (Sattelblockanästhesie) sowie über einen unwillkürlichen Urinverlust (Überlaufinkontinenz).
Diagnose und Behandlung?
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Lösung: D. Kaudasyndrom, MRT und Notfallchirurgie (<24h)
Begründung: Das Kaudasyndrom (Cauda-equina-Syndrom) entsteht durch eine massive Kompression der lumbosakralen Nervenwurzeln (meist durch einen medialen Massenvorfall L4/L5 oder L5/S1). Symptome sind Reithosenanästhesie, schlaffe Blasen- und Mastdarmlähmung sowie Paresen. Es erfordert ein Notfall-MRT und die operative Notfalldekompression innerhalb von 24 Stunden.
- A. Falsch. Ein unkomplizierter Hexenschuss verläuft ohne vegetative Störungen (Blasen-/Mastdarmstörung) oder Sattelanästhesie.
- B. Falsch. Monoradikuläre Vorfälle ohne Kaudasymptomatik können konservativ behandelt werden; das Kaudasyndrom ist hingegen eine OP-Indikation.
- C. Falsch. Die lumbale Spinalkanalstenose verläuft chronisch mit Claudicatio spinalis, erfordert aber bei akuter Blasenlähmung keine elektive Physiotherapie.
Quellen: S2k-Leitlinie Lumbale Radikulopathie; Müller Chirurgie
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Ein 81-jähriger Patient mit Urosepsis ist akut verwirrt, nicht orientiert und kann den Behandlungsplan nicht wiedergeben. Er wehrt die Blutentnahme nicht ab. Es gibt keine Patientenverfügung und keinen Vertreter.
Wie ist seine Einwilligungsfähigkeit zu beurteilen und was folgt daraus?
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Lösung: C. Er ist derzeit einwilligungsunfähig; die dringliche Sepsistherapie erfolgt nach dem mutmaßlichen Willen, die Fähigkeit wird im Verlauf erneut geprüft.
Begründung: Einwilligungsfähigkeit ist entscheidungsbezogen und kann schwanken. Ein septisches Delir hebt sie meist vorübergehend auf. Unaufschiebbare Maßnahmen dürfen dann nach dem mutmaßlichen Willen erfolgen (§ 630d Abs. 1 S. 4 BGB). Für nicht dringliche Entscheidungen wird ein Vertreter benötigt oder die Besserung abgewartet und erneut geprüft.
- A. Fehlender Widerstand ist keine wirksame Einwilligung; entscheidend ist, ob er Art, Bedeutung und Folgen erfassen kann.
- B. Alter begründet keine Einwilligungsunfähigkeit; ein Delir ist meist vorübergehend und eine umfassende Betreuung unverhältnismäßig.
- D. Ein Aufschub der Sepsistherapie bis zur Betreuerbestellung gefährdet das Leben des Patienten.
Quellen: BGB § 630d; Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer: Entscheidungsfähigkeit und Entscheidungsassistenz (2016)
17 / 20
Ein 2-jähriges Kind erleidet zu Hause einen fieberassoziierten generalisierten Krampfanfall, der seit 6 Minuten anhält. Der Rettungsdienst ist eingetroffen.
Welche medikamentöse Akutmaßnahme ist jetzt vorrangig?
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Lösung: B. Benzodiazepin, zum Beispiel Diazepam rektal oder Midazolam bukkal/intranasal
Begründung: Ein noch anhaltender Krampfanfall soll bei einer Dauer von etwa fünf Minuten oder länger mit einem Benzodiazepin unterbrochen werden, zum Beispiel mit Midazolam bukkal oder intranasal oder Diazepam rektal. Fiebersenker behandeln Beschwerden, beenden aber den Anfall nicht. Bei fortbestehendem Anfall sind Atemweg, Atmung und Kreislauf zu sichern und die Statusbehandlung fortzusetzen.
- A. Paracetamol kann das Fieber und Unwohlsein lindern, beendet aber einen anhaltenden Krampfanfall nicht.
- C. Phenytoin ist keine erste präklinische Maßnahme; bei anhaltendem Anfall folgen nach Benzodiazepin und klinischer Beurteilung weitere Statusmedikamente.
- D. Kaltes Wasser unterbricht die zerebrale Krampfaktivität nicht und kann das Kind zusätzlich gefährden.
Quellen: AWMF Leitlinie Fieberkrampf
18 / 20
Ein 54-jähriger Patient mit bekannter Äthyltoxischen Leberzirrhose (Child-Pugh B) wird vom Rettungsdienst mit akutem, massivem Hämatemesis in die Notaufnahme eingeliefert. Der Patient ist soporös, kaltschweißig, hypoton (80/45 mmHg) und tachykard (125 bpm).
Welche Kombination aus medikamentöser Ersttherapie, diagnostisch-interventionellem Schritt und Ultima Ratio bei therapierefraktärer Blutung ist leitliniengerecht?
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Lösung: D. Terlipressin oder Somatostatin; Notfall-ÖGD mit Varizenligatur; bei therapierefraktärer Blutung TIPS oder Ballontamponade (Sengstaken-Blakemore-Sonde)
Begründung: Die akute Ösophagusvarizenblutung ist eine lebensbedrohliche Komplikation des Pfortaderhochdrucks. Das leitliniengerechte Management umfasst: 1. Kreislaufstabilisierung (vorsichtige Volumengabe, restriktive Transfusionstrategie Ziel-Hb 7-8 g/dl). 2. Medikamentöse Therapie: Terlipressin (Vasopressin-Analogon) oder Somatostatin/Octreotid führen zur Vasokonstriktion im Splanchnikusgebiet und senken den Pfortaderdruck. 3. Kausale Therapie: Schnellstmögliche ÖGD (innerhalb von 12 Stunden) mit Gummibandligatur (Mittel der Wahl) oder Sklerosierung. 4. Ultima Ratio bei Versagen: TIPS (Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt) oder Ballonsonden (Sengstaken-Blakemore- bzw. Linton-Nachlas-Sonde) zur mechanischen Kompression für maximal 24 Stunden.
- A. Falsch. Magenresektion ist bei Ösophagusvarizenblutung kontraindiziert. Die Sengstaken-Sonde ist keine Erstmaßnahme, sondern eine mechanische Überbrückung.
- B. Falsch. Adrenalin oral ist wirkungslos und gefährlich; ein CT verzögert die lebenswichtige Blutstillung.
- C. Falsch. Propranolol (Betablocker) wird zur Primär- und Sekundärprophylaxe eingesetzt, nicht zur Akuttherapie der aktiven Blutung.
Quellen: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Blutung; Baveno-Konsensusrichtlinien zur portalen Hypertension
19 / 20
Eine 64-jährige Patientin mit rheumatoider Arthritis unter Dauertherapie mit Prednisolon und Methotrexat klagt über neu aufgetretene Knochenschmerzen im Lendenwirbelbereich.
Welche Diagnose muss bei diesen neuen Schmerzen besonders bedacht werden?
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Lösung: C. Osteoporotische Wirbelkörperfraktur unter Glukokortikoidtherapie.
Begründung: Eine Glukokortikoidtherapie erhöht dosis- und zeitabhängig das Frakturrisiko; bei neuem fokalem Rückenschmerz muss deshalb eine Wirbelkörperfraktur bedacht und gezielt abgeklärt werden. Ein Bandscheibenvorfall bleibt bei radikulärer Symptomatik eine Differenzialdiagnose, erklärt aber das erhöhte Frakturrisiko nicht. Bei nachgewiesener Fraktur sind Frakturrisiko und Osteoporosetherapie nach aktueller DVO-Leitlinie individuell zu beurteilen.
- A. Ein Bandscheibenvorfall ist möglich, wäre aber eher durch radikuläre Ausstrahlung und neurologische Zeichen charakterisiert.
- B. Eine rheumatoide Wirbelsäulenbeteiligung betrifft vor allem die Halswirbelsäule und ist keine typische Erklärung.
- D. Methotrexat verursacht typischerweise keine fokalen Knochenschmerzen als Myopathie.
Quellen: ESC Guidelines Endocarditis
20 / 20
Eine 38-jährige Patientin präsentiert sich mit Stammfettsucht, Striae rubrae, Vollmondgesicht und arterieller Hypertonie. Es besteht der Verdacht auf ein endogenes Cushing-Syndrom (Hypercortisolismus).
Welcher Test eignet sich NICHT zum Screening/Bestätigung?
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Lösung: D. Basales ACTH am Morgen
Begründung: Zum initialen Screening auf ein endogenes Cushing-Syndrom eignen sich der 1-mg-Dexamethason-Hemmtest, wiederholte Messungen des freien Cortisols im 24-Stunden-Urin oder spätabendliches Speichelcortisol. Ein basales ACTH wird erst nach bestätigtem Hyperkortisolismus zur Ursachenabklärung bestimmt. Ein einzelner auffälliger Screeningtest sollte fachgerecht bestätigt werden.
- A. Der 1-mg-Dexamethason-Hemmtest gehört zu den etablierten Erstlinientests zum Nachweis eines Hyperkortisolismus.
- B. Das freie Cortisol im 24-Stunden-Sammelurin ist ein etablierter Screeningtest, der meist wiederholt bestimmt wird.
- C. Spätabendliches Speichelcortisol prüft den Verlust des normalen zirkadianen Cortisolabfalls und gehört zu den Screeningtests.
Quellen: DGE Leitlinie Cushing
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