Kenntnisprüfung Psychiatrie: 10 Prüfungsfragen mit Lösung
Zehn Fragen im Stil der Kenntnisprüfung aus der Psychiatrie, jeweils mit Lösung und Begründung. Sie stammen aus dem Fragenkatalog von DE.med, der allein in der Psychiatrie 100 Fragen enthält.
1 / 10
Ein 74-jähriger Patient mit einer bekannten Lewy-Körper-Demenz (LBD) wird wegen akuter optischer Halluzinationen und psychotischer Unruhe in der Notaufnahme vorgestellt. Die Angehörigen berichten, dass er lebhafte Gestalten im Zimmer sehe, die ihn jedoch nicht bedrohen.
Welche pharmakologische Besonderheit muss bei der Behandlung der psychotischen Symptome dieses Patienten zwingend beachtet werden?
Lösung anzeigen
Lösung: A. Ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Dopamin blockierenden Antipsychotika
Begründung: Menschen mit Lewy-Körper-Demenz können besonders empfindlich auf Dopamin blockierende Antipsychotika reagieren. Vor einer medikamentösen Behandlung werden Auslöser, Belastung und Gefährdung geprüft; nicht bedrohliche Halluzinationen erfordern nicht automatisch ein Antipsychotikum. Wenn eine Behandlung unvermeidbar ist, kommen nur sorgfältig ausgewählte und niedrig dosierte Optionen unter engmaschiger Kontrolle infrage.
- B. Donepezil kann kognitive und neuropsychiatrische Symptome unterstützen; die Dosis wird nach Verträglichkeit beurteilt, nicht pauschal wegen Halluzinationen abgesetzt.
- C. Eine Lewy-Körper-Demenz begründet keine generelle Kontraindikation für Antidepressiva; die Wahl richtet sich nach Symptomen, Begleiterkrankungen und Interaktionen.
- D. Haloperidol kann bei Lewy-Körper-Demenz schwere motorische und vegetative Reaktionen auslösen und ist keine geeignete routinemäßige Akutmaßnahme.
Quellen: S3-Leitlinie Demenzen
2 / 10
Eine 34-jährige Patientin stellt sich sechs Monate nach einem schweren Verkehrsunfall vor. Sie leidet unter aufdrängenden Erinnerungen, Albträumen und starker Übererregung mit Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen. Sie vermeidet es, selbst Auto zu fahren.
Welche Therapiemaßnahme ist bei dieser Patientin zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) primär indiziert und welches Medikament sollte vermieden werden?
Lösung anzeigen
Lösung: D. Traumafokussierte Psychotherapie wie TF-KVT oder EMDR; Benzodiazepine sollen bei PTBS vermieden werden
Begründung: Bei PTBS werden traumafokussierte Psychotherapien wie TF-KVT oder EMDR bevorzugt angeboten. Benzodiazepine sind keine geeignete Behandlung der PTBS und sollen vermieden werden. Bei der Auswahl des Verfahrens werden Beschwerden, Stabilität, Präferenzen und mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigt.
- A. Quetiapin als Monotherapie ohne Psychotherapie ist bei unkomplizierter PTBS nicht leitliniengerecht.
- B. Klassische Psychoanalyse ohne vorherige Stabilisierung birgt Überflutungsrisiken; Diazepam hemmt das Extinktionslernen und führt zur Sucht.
- C. Medikamente sind bei PTBS nicht die bevorzugte alleinige Erstbehandlung; Benzodiazepine sollen wegen ungünstiger Nutzen-Risiko-Bilanz vermieden werden.
Quellen: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung
3 / 10
Eine 22-jährige Patientin mit bekannter Borderline-Persönlichkeitsstörung stellt sich in einer akuten Krise nach einer Trennung vor. Sie klägt über unerträgliche innere Anspannung und verspürt den starken Drang, sich selbst zu verletzen (zu schneiden). Sie verneint konkrete suizidale Absichten, äußert jedoch eine ausgeprägte Hoffnungslosigkeit.
Welche Maßnahme zur Krisenintervention ist im Rahmen des Konzepts der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) primär indiziert?
Lösung anzeigen
Lösung: B. Gemeinsam eine akute Suizid- und Selbstverletzungsrisikoeinschätzung vornehmen, passende DBT-Skills anwenden und einen konkreten Sicherheits- und Krisenplan vereinbaren
Begründung: Bei einer akuten Krise mit Selbstverletzungsdrang werden zunächst Suizidalität, Selbstgefährdung und verfügbare Unterstützung direkt eingeschätzt. DBT-Skills wie Kältereiz oder intensive Bewegung können helfen, hohe Anspannung zu überbrücken; gemeinsam wird ein konkreter Krisen- und Sicherheitsplan mit erreichbaren Hilfen erstellt. Ein sogenannter Nicht-Suizid-Vertrag ersetzt weder die Risikoeinschätzung noch geeignete Schutzmaßnahmen.
- A. Eine Zwangsmedikation ist keine Standardmaßnahme bei Selbstverletzungsdrang; zuerst braucht es eine individuelle Risiko- und Kriseneinschätzung sowie passende freiwillige Unterstützung.
- C. Die unkontrollierte Mitgabe von Benzodiazepinen bei instabilen Borderline-Patienten birgt erhebliche Risiken für Intoxikationen, paradoxe Enthemmung und Abhängigkeit.
- D. Lange stationäre Aufenthalte ohne therapeutischen Fokus fördern Regression und Hospitalismus bei Borderline-Störungen.
Quellen: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Gefallen Ihnen diese Fragen? DE.med hat 470 weitere, dazu KI-Simulationen der FSP. Kostenlos starten: App Store · Google Play
4 / 10
Ein 28-jähriger Patient stellt sich zur Abklärung eines vermuteten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) vor. Nach umfassender Diagnostik wird die Diagnose bestätigt. Es soll eine medikamentöse Therapie mit Methylphenidat eingeleitet werden.
Welche kardiovaskulären Untersuchungen sind vor Beginn von Methylphenidat und im Verlauf erforderlich?
Lösung anzeigen
Lösung: C. Anamnese und Untersuchung mit Blutdruck- und Pulsmessung; EKG bei kardiovaskulärem Verdacht, Verlaufskontrolle von Blutdruck, Puls und Gewicht
Begründung: Vor einer Stimulanzientherapie werden kardiale Anamnese und Untersuchung sowie Blutdruck und Puls erhoben. Ein EKG ist nicht für jede erwachsene Person pauschal zwingend, sondern bei kardialen Beschwerden, auffälliger Anamnese oder Untersuchungsbefunden angezeigt. Im Verlauf werden Blutdruck, Puls und Gewicht kontrolliert; die Häufigkeit richtet sich nach klinischem Bedarf und Präparat.
- A. MRT und EEG sind bei typischer ADHS ohne neurologische Hinweise keine routinemäßigen Voruntersuchungen.
- B. Eine Echokardiographie oder ein Belastungs-EKG ist ohne kardiale Hinweise nicht für alle Patienten erforderlich; die kardiovaskuläre Basisbeurteilung wird gezielt erweitert.
- D. Ein therapeutisches Drug Monitoring (TDM) von Methylphenidat ist in der klinischen Routine nicht erforderlich; die Titration erfolgt nach klinischer Wirkung.
Quellen: S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
5 / 10
Ein 22-jähriger Patient stellt sich wegen einer seit einem Jahr bestehenden, extremen Tagesschläfrigkeit vor. Er schlafe tagsüber in monotonen Situationen ungewollt ein. Zudem berichtet er, dass ihm beim Lachen oder bei plötzlicher Freude manchmal kurzzeitig die Knie einknicken oder die Mimik erschlafft, ohne dass er das Bewusstsein verliert. Nachts leide er unter lebhaften Albträumen und fühle sich beim Aufwachen manchmal für 1-2 Minuten wie gelähmt.
Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten und welcher Liquor-Befund stützt diese Diagnose?
Lösung anzeigen
Lösung: C. Narkolepsie Typ 1; ein Liquor-Orexin-A- beziehungsweise Hypocretin-1-Wert von höchstens 110 pg/ml stützt die Diagnose
Begründung: Unwillkürliche Einschlafepisoden und emotionsgetriggerter Tonusverlust bei erhaltenem Bewusstsein sprechen für eine Narkolepsie Typ 1. Schlaflähmung kann zusätzlich auftreten. Ein Liquor-Hypocretin-1-Wert von höchstens 110 pg/ml oder weniger als ein Drittel des Kontrollmittelwerts stützt die Diagnose; die schlafmedizinische Diagnostik berücksichtigt zudem Polysomnographie und multiplen Schlaflatenztest. Der Liquorbefund ist nicht bei allen Betroffenen erforderlich; Schlaflabor und multipler Schlaflatenztest sind ebenfalls Bestandteile der Abklärung.
- A. Idiopathische Hypersomnie kann starke Tagesschläfrigkeit verursachen, erklärt aber die emotionsgetriggerte Kataplexie nicht.
- B. Typ 2 setzt das Fehlen einer Kataplexie voraus; die beschriebenen emotionsgetriggerten Tonusverluste sprechen für Typ 1.
- D. Eine Schlafapnoe kann Tagesschläfrigkeit verursachen, erklärt aber die emotionstriggerte Kataplexie und Schlaflähmung nicht.
Quellen: S2k-Leitlinie Narkolepsie
6 / 10
Eine 24-jährige Patientin stellt sich nach einer erneuten oberflächlichen Schnittverletzung am Unterarm vor. Sie berichtet von chronischer innerer Leere, intensiven aber instabilen Beziehungen und massiver Angst vor dem Verlassenwerden. Bei Anspannung neigt sie zu impulsiver Selbstschädigung.
Welches psychotherapeutische Verfahren gilt als Methode der ersten Wahl zur Behandlung dieser Störung?
Lösung anzeigen
Lösung: A. Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
Begründung: Die Angaben sprechen für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung mit wiederholter Selbstschädigung. Eine strukturierte Psychotherapie wie DBT kann Fertigkeiten zur Emotionsregulation, Stresstoleranz und zwischenmenschlichen Kommunikation vermitteln. Die Behandlung wird an den individuellen Bedarf angepasst; akute Selbstgefährdung muss unabhängig von der gewählten Psychotherapie direkt beurteilt und abgesichert werden.
- B. Eine alleinige Psychoanalyse ersetzt keine strukturierte Behandlung der Selbstverletzung und Emotionsregulation; das Vorgehen muss die aktuelle Sicherheit berücksichtigen.
- C. Systemische Therapie kann je nach Situation ergänzen, ersetzt aber keine störungsspezifische Behandlung bei wiederholter Selbstschädigung.
- D. Kognitive Techniken allein greifen zentrale Ziele wie Emotionsregulation und Krisenbewältigung nicht ausreichend auf.
Quellen: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung
7 / 10
Eine 58-jährige Patientin leidet an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (Schuldwahn und hypochondrischer Wahn). Sie verweigert die Nahrungsaufnahme, da sie glaubt, ihre Organe seien bereits verfault.
Welches therapeutische Vorgehen ist bei dieser Patientin leitliniengerecht am ehesten indiziert?
Lösung anzeigen
Lösung: D. Kombinationstherapie aus einem Antidepressivum und einem Antipsychotikum (oder alternativ eine Elektrokonvulsionstherapie)
Begründung: Eine psychotische Depression mit Nahrungsverweigerung ist eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Erkrankung und erfordert dringende stationäre Behandlung. Als Akuttherapie kommen ein Antidepressivum in Kombination mit einem Antipsychotikum oder, besonders bei vitaler Gefährdung oder wenn rasche Wirkung nötig ist, eine Elektrokonvulsionstherapie infrage. Die Entscheidung erfolgt fachpsychiatrisch und unter Berücksichtigung des somatischen Zustands.
- A. Bei Nahrungsverweigerung und psychotischer Depression ist eine sofortige stationäre Beurteilung erforderlich; alleinige ambulante Psychotherapie reicht für die akute Sicherung nicht aus.
- B. Eine Antidepressiva-Monotherapie reicht bei psychotischer Depression meist nicht aus, um den Wahn zu durchbrechen.
- C. Eine Antipsychotika-Monotherapie behandelt die depressive Kernsymptomatik nur unzureichend; notwendig ist die Kombination.
Quellen: S3-Leitlinie Unipolare Depression
8 / 10
Ein 31-jähriger Patient schläft seit Tagen kaum, redet ununterbrochen, investiert unkritisch große Summen und fühlt sich außergewöhnlich mächtig.
Welche Episode liegt am ehesten vor?
Lösung anzeigen
Lösung: D. Manische Episode
Begründung: Vermindertes Schlafbedürfnis, anhaltender Rededrang, Größenideen und riskantes Ausgabeverhalten sprechen für eine manische Episode. Die Episodendauer, Funktionsbeeinträchtigung und mögliche psychotische Symptome sind für die diagnostische Einordnung zu erheben; ein Delir zeigt typischerweise eine akute Aufmerksamkeits- und Bewusstseinsstörung.
- A. Eine depressive Episode ist durch Antriebsarmut, Freudlosigkeit und Verlangsamung charakterisiert, nicht durch Größenideen und Hyperaktivität.
- B. Ein Delir zeigt Bewusstseinstrübung und kognitive Desorganisation, während der Patient hier in euphorischer, enthemmter Stimmung agiert.
- C. Eine Anpassungsstörung ist eine depressive oder ängstliche Reaktion auf ein belastendes Lebensereignis ohne Maniesymptome.
Quellen: S3-Leitlinie Bipolare Störungen
9 / 10
Ein 26-jähriger Patient mit einer Erstmanifestation einer paranoiden Schizophrenie soll medikamentös eingestellt werden. Im Vordergrund stehen ausgeprägte Positivsymptome wie Stimmenhören und Verfolgungswahn. Der Patient äußert große Angst vor Gewichtszunahme und sexuellen Funktionsstörungen.
Welches Antipsychotikum weist das geringste Risiko für eine metabolische Gewichtszunahme und Hyperprolaktinämie auf und ist daher für diesen Patienten am besten geeignet?
Lösung anzeigen
Lösung: B. Aripiprazol
Begründung: Aripiprazol ist ein partieller Dopamin-D2-Agonist und verursacht im Mittel weniger Gewichtszunahme sowie seltener eine Prolaktinerhöhung als Olanzapin, Risperidon oder Amisulprid. Es kann dennoch Nebenwirkungen wie Akathisie auslösen. Die Auswahl berücksichtigt zusätzlich Wirksamkeit, Begleiterkrankungen, Präferenzen und eine gemeinsame Aufklärung.
- A. Olanzapin ist mit einem vergleichsweise hohen Risiko für Gewichtszunahme und metabolische Veränderungen verbunden.
- C. Risperidon kann Prolaktin erhöhen und sexuelle Funktionsstörungen verursachen; auch Gewichtszunahme ist möglich.
- D. Amisulprid erhöht häufig den Prolaktinspiegel und kann dadurch sexuelle Funktionsstörungen hervorrufen.
Quellen: S3-Leitlinie Schizophrenie
10 / 10
Ein 52-jähriger, sichtlich unterernährter obdachloser Patient mit bekanntem chronischem Alkoholabusus wird verwirrt in die Notaufnahme gebracht. Bei der Untersuchung fallen eine ausgeprägte Gangataxie sowie eine bilaterale Abduzensparese (Ophthalmoplegie) auf.
Welches Krankheitsbild liegt hier vor und welche pathophysiologische Besonderheit muss bei der Akuttherapie zwingend beachtet werden?
Lösung anzeigen
Lösung: B. Wernicke-Enzephalopathie; sofort i.v. Thiamin, möglichst vor oder zugleich mit Glukose geben; bei Hypoglykämie Glukose nicht verzögern
Begründung: Verwirrtheit, Gangataxie und Augenmuskelparese bei Mangelernährung und chronischem Alkoholkonsum sprechen für eine Wernicke-Enzephalopathie. Thiamin muss sofort parenteral gegeben werden. Bei möglicher Hypoglykämie darf eine notwendige Glukosegabe nicht verzögert werden; Thiamin wird möglichst vorher oder gleichzeitig verabreicht. Die Behandlung darf nicht auf Laborbestätigungen warten.
- A. Das Korsakow-Syndrom ist das chronische amnestische Folgestadium mit Konfabulationen; das akute Stadium mit Trias (Ataxie, Augenmuskelparese, Verwirrtheit) ist die Wernicke-Enzephalopathie (Thiaminmangel, nicht B12).
- C. Eine hepatische Enzephalopathie ist bei Lebererkrankung differenzialdiagnostisch möglich, doch Mangelernährung, Ataxie und Augenmuskelparese sprechen für sofortige Thiamingabe.
- D. Die bilaterale symmetrische Symptomatik bei Mangelernährung und Alkoholabusus spricht eindeutig für einen Mangelzustand, nicht für ein akutes fokales Gefäßereignis.
Quellen: S3-Leitlinie alkoholbezogene Störungen
470 weitere Fragen wie diese warten in DE.med
Fragen nach Fach, Karteikarten mit Wiederholung im richtigen Abstand und KI-Simulationen, die wie eine Prüfungskommission bewerten. Kostenlos starten.
Weitere Fächer
Fragen im Prüfungsstil, von MedHub zum Üben geschrieben. Es sind keine Originalfragen der Prüfung.